Mindset

Wie du den richtigen Gründercoach findest

Die erste Frage an einen Gründercoach ist nicht, was er kostet. Sie lautet: Bist du AZAV-zugelassen? Davon hängt ab, ob du mehrere tausend Euro zahlst oder null.

Von Jörg Refeld· 4 Min. Lesezeit

Die erste Frage an einen Gründercoach ist nicht, was er kostet. Sie lautet: Bist du AZAV-zugelassen?

Denn wenn du Arbeitslosengeld beziehst, ist die Antwort auf diese eine Frage der Unterschied zwischen einem Coaching, das dich mehrere tausend Euro kostet, und einem, das die Agentur für Arbeit vollständig bezahlt.

Der Filter, der zuerst greift

Ein Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) nach § 45 SGB III kann eine Gründungsberatung komplett finanzieren. Einlösen kannst du ihn aber nur bei einem Anbieter, der zwei Zulassungen hat:

  • die Trägerzulassung nach AZAV — sie zertifiziert die Organisation und gilt fünf Jahre
  • die Maßnahmenzulassung — sie zertifiziert das konkrete Coaching-Angebot und gilt drei Jahre

Fehlt eine von beiden, darf der Coach deinen Gutschein nicht annehmen. Egal wie gut er ist.

Das ist ein hartes, prüfbares Kriterium — und es reduziert die Auswahl sofort auf einen überschaubaren Kreis. Frag nicht „Arbeiten Sie mit AVGS?", sondern „Für welchen Maßnahmentyp ist Ihr Angebot zugelassen und bis wann läuft die Zulassung?". Wer darauf nicht in einem Satz antworten kann, hat sie vermutlich nicht.

Wichtig: Der AVGS wird nicht beantragt, er wird ausgestellt. Du musst ihn im Gespräch mit deiner Vermittlungsfachkraft ansprechen. Von allein bietet ihn niemand an.

Was ein Coaching kostet, wenn du es selbst zahlst

Damit du die Größenordnung einordnen kannst: Freie Gründungsberatung liegt je nach Erfahrung und Region bei 90 bis 200 € pro Stunde. Ein Begleitprozess über drei bis sechs Monate umfasst typischerweise 15 bis 30 Stunden — also 1.500 bis 6.000 €.

Für Gründungen ohne ALG-I-Bezug gibt es außerdem Landesförderprogramme, die 50 bis 80 Prozent der Beratungskosten übernehmen. Die Bedingungen unterscheiden sich je Bundesland stark; die IHK vor Ort weiß, was aktuell läuft.

Die vier Fragen, die Qualität sichtbar machen

Wenn die Zulassungsfrage geklärt ist, unterscheidet sich Qualität an vier Punkten. In dieser Reihenfolge:

1. „Wie viele Ihrer Coachees haben den Gründungszuschuss bewilligt bekommen?"

Eine konkrete Zahl oder eine Quote — oder Ausweichen. Wer seit Jahren Gründer begleitet und diese Zahl nicht kennt, misst seine eigene Arbeit nicht. Das ist ein Signal.

2. „Was passiert, wenn Sie meine Idee nicht für tragfähig halten?"

Die entscheidende Frage. Ein Coach, der eine fachkundige Stellungnahme ausstellt, hat eine Doppelrolle: Er begleitet dich — und er beurteilt dein Vorhaben gegenüber der Agentur für Arbeit. Wer sagt „das machen wir dann passend" oder ausweicht, hilft dir nicht. Er verkauft dir ein Dokument.

Die gute Antwort klingt ungefähr so: „Dann sage ich Ihnen das früh und wir arbeiten daran — oder ich stelle keine Bescheinigung aus." Das ist unangenehm zu hören und genau richtig.

3. „Rechnen Sie mit mir die Zahlen durch oder erklären Sie mir, wie es geht?"

Beides ist legitim, aber du solltest wissen, was du bekommst. Ein Coaching, das nach zwölf Stunden mit einem Businessplan endet, den du nicht selbst verteidigen kannst, ist im Gespräch bei der Arbeitsagentur wertlos — dort sitzt du allein.

4. „Aus welcher Praxis kommen Sie?"

Hat der Coach selbst gegründet? In deiner Branche gearbeitet? Beides ist kein Muss — aber jemand, der Liquiditätsengpässe nur aus Lehrbüchern kennt, erkennt sie in deiner Planung schlechter.

Woran du einen ungeeigneten Coach erkennst

Er verspricht Bewilligung. Der Gründungszuschuss ist eine Ermessensleistung nach § 93 SGB III — kein Rechtsanspruch. Niemand kann eine Zusage garantieren. Wer es tut, sagt entweder etwas Falsches oder etwas Unehrliches.

Er lobt deine Idee im Erstgespräch. Nach zwanzig Minuten kann niemand die Tragfähigkeit beurteilen. Begeisterung an dieser Stelle ist Verkauf, keine Einschätzung.

Er hat eine fertige Vorlage für alles. Businessplan-Bausteine sind hilfreich. Ein Plan, der bei jedem Coachee gleich klingt, fällt bei erfahrenen Prüfern auf — und schadet dir.

Er redet nicht über Zahlen. Wenn im Erstgespräch weder Kapitalbedarf noch Anlaufzeit noch dein Lebensunterhalt vorkommen, ist es kein Gründungscoaching, sondern Motivationsarbeit.

Der Ablauf, wenn es gut läuft

  1. Erstgespräch beim Coach — kostenlos, meist 30 bis 60 Minuten. Auch für dich ein Test.
  2. Termin bei der Vermittlungsfachkraft, AVGS ansprechen und ausstellen lassen.
  3. Gutschein beim Coach einlösen, Coaching beginnt.
  4. Businessplan und Finanzteil erarbeiten.
  5. Tragfähigkeitsbescheinigung — vor Aufnahme der Tätigkeit.
  6. Antrag auf Gründungszuschuss stellen, solange noch mindestens 150 Tage Restanspruch bestehen.

Der Punkt, an dem es am häufigsten schiefgeht, ist die Reihenfolge zwischen 5 und 6 auf der einen und dem Start der Tätigkeit auf der anderen Seite. Ein guter Coach weist dich in der ersten Stunde darauf hin. Wenn deiner das nicht tut, frag nach — die 150 Tage laufen gegen dich, und niemand hält sie an.

Das Erstgespräch als Test

Geh mit einer konkreten Zahl hinein: was du im Monat zum Leben brauchst.

Ein Coach, der daraufhin fragt, wie lange deine Anlaufphase dauert und wovon du sie bezahlst, hat verstanden, worum es geht.

Einer, der über dein Logo spricht, nicht.


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