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Was ist Managerial Accounting? Ziele, Säulen und Arten

Es gibt Zahlen für das Finanzamt und Zahlen für Entscheidungen. Wer nur die ersten führt, erfährt vom Problem, wenn es ein Jahr alt ist.

Von Jörg Refeld· 4 Min. Lesezeit

Es gibt zwei Arten von Zahlen in deinem Unternehmen. Die einen schaust du dir an, damit das Finanzamt zufrieden ist. Die anderen schaust du dir an, damit du entscheiden kannst.

Im Deutschen heißt das internes Rechnungswesen oder Controlling, im Englischen Managerial Accounting. Der Unterschied zur Buchhaltung ist nicht die Technik — es ist der Adressat.

Externes und internes Rechnungswesen

Externes Rechnungswesen ist gesetzlich vorgeschrieben und rückwärtsgerichtet. Es beantwortet: Wie viel Gewinn hast du im vergangenen Jahr gemacht, und wie viel Steuer schuldest du darauf? Es folgt festen Regeln, weil Dritte sich darauf verlassen müssen — Finanzamt, Bank, Gesellschafter.

Internes Rechnungswesen ist freiwillig und vorwärtsgerichtet. Es beantwortet: Welches Angebot trägt sich, welcher Preis stimmt, wo blutest du, und reicht das Geld bis November? Regeln gibt es keine. Du baust es so, wie du es brauchst.

Die Buchhaltung sagt dir, wie es war. Das Controlling sagt dir, was du tun solltest.

Wer nur externes Rechnungswesen betreibt, erfährt vom Problem, wenn es bereits ein Jahr alt ist.

Genau das ist die Lage der meisten Solo-Selbstständigen: Die Steuererklärung für 2025 wird im Herbst 2026 fertig. Eine Fehlkalkulation aus dem Januar 2025 fällt dann nach zwanzig Monaten auf.

Die drei Rechnungen, die du wirklich brauchst

Für Kleinunternehmen und Solo-Selbstständige reduziert sich das gesamte Feld auf drei Werkzeuge.

Kostenartenrechnung: Welche Kosten hast du?

Die Grundsortierung, und sie hat nur eine wichtige Achse: fix oder variabel.

Fixkosten laufen weiter, auch im Monat ohne Auftrag: Miete, Versicherungen, Software-Abos, Steuerberater, Leasing.

Variable Kosten entstehen pro Auftrag: Wareneinsatz, Fremdleistung, Versand, Zahlungsgebühren.

Diese Trennung ist keine Formalie. Sie bestimmt, wie riskant dein Geschäft ist. Zwei Unternehmen mit identischem Umsatz und identischem Gewinn können völlig unterschiedlich gefährdet sein — dasjenige mit hohem Fixkostenblock bricht bei einem Umsatzeinbruch von 20 Prozent zusammen, das andere schrumpft einfach mit.

Kostenträgerrechnung: Was verdient welches Angebot?

Hier wird es konkret. Statt einer Gesamtsumme rechnest du je Produkt oder Dienstleistung.

AngebotPreisvariable KostenDeckungsbeitragAnteil Umsatz
Beratungstag1.400 €120 €1.280 € (91 %)35 %
Werkstattkurs690 €410 €280 € (41 %)40 %
Materialverkauf85 €68 €17 € (20 %)25 %

Der Werkstattkurs bringt den größten Umsatzanteil. Der Beratungstag verdient das Geld. Der Materialverkauf beschäftigt dich für zwanzig Prozent Marge.

Wer nur die Umsatzverteilung sieht, investiert in den Werkstattkurs. Wer die Deckungsbeiträge sieht, erhöht dort den Preis oder senkt den Materialeinsatz — und baut das Beratungsgeschäft aus.

Diese eine Tabelle ist für die meisten Selbstständigen der größte Einzelnutzen des internen Rechnungswesens.

Kurzfristige Erfolgsrechnung: Wo stehst du diesen Monat?

Monatlich, eine Seite, immer gleich aufgebaut:

Umsatz − variable Kosten = Deckungsbeitrag − Fixkosten = Betriebsergebnis.

Der Wert liegt nicht in der einzelnen Zahl, sondern im Verlauf über zwölf Monate. Ein Deckungsbeitrag, der drei Monate in Folge sinkt, obwohl der Umsatz steigt, ist ein Alarmsignal — und es ist in der Jahresbilanz nicht mehr zu erkennen, weil sich dort alles ausgleicht.

Die Rechnung, die keine Rechnung ist

Das internes Rechnungswesen kennt eine Größe, die in keiner Buchhaltung auftaucht: kalkulatorische Kosten.

Die wichtigste davon ist der kalkulatorische Unternehmerlohn. Als Einzelunternehmer bist du nicht angestellt — was du entnimmst, kommt aus dem Gewinn, nicht aus den Kosten. Steuerlich korrekt. Betriebswirtschaftlich irreführend.

Denn ein Betriebsergebnis von 0 € bedeutet nicht „gerade noch okay". Es bedeutet: Du hast ein Jahr gearbeitet und nichts verdient.

Rechne deshalb intern immer mit deinem Lohn als Kostenposition. Bei 2.400 € Privatentnahme plus 450 € Krankenversicherung, 300 € Altersvorsorge und 650 € Steuerrücklage sind das 3.800 € im Monat — 45.600 € im Jahr, die dein Deckungsbeitrag zusätzlich zu den Fixkosten tragen muss.

Diese eine Korrektur verändert fast jede Preiskalkulation.

Was das für dich praktisch heißt

Du brauchst kein Controlling-System. Du brauchst eine Tabelle mit drei Blättern:

  1. Kostenblatt — Fixkosten je Monat, einmal aufsetzen, halbjährlich prüfen
  2. Angebotsblatt — Deckungsbeitrag je Produkt, bei jeder Preisänderung aktualisieren
  3. Monatsblatt — Umsatz, variable Kosten, Deckungsbeitrag, Fixkosten, Ergebnis

Aufwand nach dem Aufsetzen: rund dreißig Minuten im Monat.

Der Unterschied zur Buchhaltung: Diese Zahlen sind am fünften des Folgemonats fertig, nicht im nächsten Herbst. Und sie beantworten Fragen, die dir tatsächlich jemand stellt — meistens du selbst, mitten in einer Preisverhandlung.


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