MindsetBusiness SchoolUnternehmertum

Deine sichere Anstellung hinter dir lassen und alles auf eine Karte zu setzen?

Eine gute Gründung ist das Gegenteil einer Wette. Wer alles auf eine Karte setzt, hat meistens nur vergessen, vorher zu prüfen, ob die Karte sticht.

Von Jörg Refeld· 3 Min. Lesezeit

„Alles auf eine Karte setzen" ist das Bild, das die meisten von Selbstständigkeit haben. Es ist auch der Grund, warum viele es nie versuchen — und warum manche es auf die teuerste mögliche Weise tun.

Denn eine gute Gründung ist das Gegenteil einer Wette. Sie ist eine Abfolge kleiner, überprüfbarer Schritte, bei denen jeder einzelne rückgängig zu machen ist.

Wer alles auf eine Karte setzt, hat meistens nur vergessen, vorher zu prüfen, ob die Karte sticht.

Was du prüfen kannst, bevor du kündigst

Drei Dinge — alle drei gehen neben dem Job.

Ob jemand zahlt. Nicht ob Leute die Idee gut finden. Ob sie überweisen. Drei zahlende Kunden neben der Anstellung sind der einzige Beweis, der zählt. Das dauert vier bis acht Wochen.

Wie oft du gefragt werden musst. Wenn du zwanzig Menschen ansprichst und zwei buchen, kennst du deine Quote: 10 Prozent. Damit lässt sich rückwärts rechnen, wie viel Akquise dein Zielumsatz erfordert — und ob dieser Aufwand in deinen Tag passt.

Wie lange die Arbeit tatsächlich dauert. Fast alle unterschätzen das um den Faktor zwei. Wer drei Aufträge abgewickelt hat, kalkuliert danach realistisch.

Ein Blick in den Arbeitsvertrag gehört dazu: Nebentätigkeiten sind meist zulässig, aber häufig anzeigepflichtig. Wettbewerb zum eigenen Arbeitgeber ist während des Arbeitsverhältnisses nicht erlaubt.

Die Zahl, die entscheidet

Nicht dein Wunschumsatz. Dein monatlicher Bedarf, vollständig:

Positionpro Monat
Lebenshaltung netto2.400 €
Kranken- und Pflegeversicherung450 €
Altersvorsorge300 €
Steuerrücklage650 €
betriebliche Fixkosten800 €
Gesamt4.600 €

Der Unterschied zwischen den 2.400 €, an die man denkt, und den 4.600 €, die es wirklich sind, beträgt 26.400 € im Jahr. Das ist die Lücke, an der die meisten Planungen im achten Monat scheitern.

Und daraus die zweite Zahl: Wie viele Monate reicht dein Geld? Bei 14.000 € Rücklage sind das gut drei Monate. Unter drei Monaten triffst du Entscheidungen aus Druck — und die sind fast immer teuer.

Der Fehler, der 13.500 € kostet

Wenn du deine Anstellung verlässt und Arbeitslosengeld beziehen wirst, entscheidet die Reihenfolge über eine erhebliche Summe.

Der Gründungszuschuss nach § 93 SGB III verlangt, dass du am Tag der Aufnahme deiner selbstständigen Tätigkeit noch mindestens 150 Tage Restanspruch hast. Bei einem ALG-I-Anspruch von 1.500 € geht es um:

  • 6 Monate × (1.500 € + 300 €) = 10.800 €
  • 9 Monate × 300 € = 2.700 €

Wer selbst kündigt, riskiert zusätzlich eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen — die den Anspruch verkürzt und damit die 150-Tage-Rechnung kippen kann.

Die Reihenfolge, die Geld spart: erst mit der Agentur für Arbeit sprechen, dann kündigen, dann anmelden. Nicht umgekehrt.

Was die Sicherheit der Anstellung tatsächlich wert ist

Damit du fair vergleichst — das sind die Posten, die im Gehaltszettel unsichtbar sind:

  • Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung: rund 700 € im Monat bei 3.500 € brutto
  • Lohnfortzahlung: sechs Wochen volles Gehalt bei Krankheit
  • bezahlter Urlaub
  • Kündigungsschutz

Als Selbstständiger zahlst du den ersten Posten allein und hast den zweiten nicht — freiwillig gesetzlich Versicherte bekommen Krankengeld regulär erst ab Tag 43, und nur mit entsprechender Wahlerklärung.

Genau deshalb liegt der notwendige Stundensatz deutlich über dem bisherigen Stundenlohn. Bei 950 verrechenbaren Stunden im Jahr und 51.300 € nötigem Umsatz sind das 54 € — plus Gewinnaufschlag.

Der Weg, der die meisten Gründungen trägt

  1. Nebenberuflich drei bis fünf zahlende Kunden gewinnen
  2. Den eigenen Bedarf und die Liquiditätsreichweite ausrechnen
  3. Die Förderfrage klären — vor jeder Kündigung
  4. Businessplan schreiben, Tragfähigkeitsbescheinigung einholen
  5. Erst dann den Schritt gehen

Das dauert sechs bis zwölf Monate. Es ist langsamer als die Alternative — und es ist der Unterschied zwischen einer Entscheidung und einer Wette.

Was bleibt

Unsicherheit lässt sich nicht wegrechnen. Du wirst nie wissen, ob es funktioniert, bevor du es tust.

Aber du kannst den Unterschied kennen zwischen dem Risiko, das zur Sache gehört, und dem, das nur aus fehlenden Zahlen besteht.

Der zweite Teil ist der größere. Und er ist an einem Nachmittag zu erledigen.


KI-Businessplan

Schreib jetzt deinen Businessplan mit KI-Coach Alex.

18 Kapitel, Schritt für Schritt geführt. Export als PDF und Word.

Kostenlos starten