Wachstum

Reich und berühmt - was es für einen Unternehmer bedeutet, in den sozialen Medien aktiv zu werden

Social Media kostet kein Werbebudget, aber 22 Stunden im Monat — das sind 1.210 € an nicht abgerechneter Zeit. Die Frage ist, ob es das wert ist.

Von Jörg Refeld· 3 Min. Lesezeit

Social Media kostet dich als Selbstständiger nichts an Werbebudget und sehr viel an Zeit. Genau deshalb gehört vor die Frage „welche Plattform?" eine andere: Was ist eine Stunde davon wert?

Rechnen wir konservativ. Fünf Beiträge pro Woche, mit Konzept, Produktion und Reaktionen: rund fünf Stunden. Das sind 22 Stunden im Monat — bei 55 € Stundenwert 1.210 € an nicht abgerechneter Zeit.

Für dieses Geld könntest du eine Anzeigenkampagne fahren. Die Frage ist also nicht, ob Social Media kostenlos ist. Sie lautet, ob es die 1.210 € wert ist.

Sichtbarkeit ist erst dann etwas wert, wenn es einen Weg von ihr zu einer Anfrage gibt.

Wann es sich rechnet

Drei Bedingungen. Fehlt eine, wird es teuer.

1. Deine Zielgruppe ist dort tatsächlich und beruflich unterwegs. Nicht „sind wahrscheinlich auch dort" — sondern: Du kannst drei konkrete Menschen aus deiner Zielgruppe benennen, die dort aktiv sind.

2. Dein Thema lässt sich zeigen. Sichtbare Ergebnisse, Vorher-Nachher, konkrete Fälle. Abstrakte Beratungsleistungen haben es deutlich schwerer als Handwerk, Gestaltung oder alles mit Bildern.

3. Es gibt einen Weg zur Anfrage. Profil mit klarem Angebot, Kontaktmöglichkeit, idealerweise ein Verteiler, in den Menschen wechseln können.

Der dritte Punkt ist der, an dem es meistens scheitert. Reichweite ohne Weg zur Buchung erzeugt Publikum, keine Kunden.

Ein Kanal, nicht vier

Die häufigste Fehlentscheidung: überall gleichzeitig präsent sein wollen.

Vier Plattformen bedeuten vier Bildformate, vier Tonlagen, vier Communities — und in der Praxis vier halbherzige Auftritte. Ein Kanal, konsequent bedient, schlägt vier nebenbei betreute. Immer.

Die Auswahl ist unspektakulär: Geh dorthin, wo deine Zielgruppe beruflich unterwegs ist, nicht dorthin, wo die meisten Menschen sind.

Was tatsächlich Anfragen bringt

Nach Wirkung sortiert:

1. Konkrete Fälle aus deiner Arbeit. Ein Problem, was du getan hast, was danach anders war — möglichst mit einer Zahl. „Von einem halben Abend auf 20 Minuten" wirkt stärker als jede allgemeine Aussage.

2. Antworten auf Fragen, die dir Kunden wirklich stellen. Wenn dieselbe Frage im Erstgespräch dreimal kam, ist sie ein Beitrag wert. Solche Inhalte werden geteilt, weil sie jemandem nützen.

3. Kommentieren statt posten. Der unterschätzteste Weg. Substanzielle Antworten unter Beiträgen anderer aus deiner Branche bringen bei kleinen Profilen oft mehr qualifizierte Kontakte als eigene Beiträge — weil du dort auf ein bestehendes Publikum triffst.

4. Direkte Gespräche. Nicht mit Verkaufsnachrichten, sondern als Anschluss an einen echten Austausch.

Was kaum wirkt: Zitatbilder, Motivationssprüche, tägliches Posten ohne Substanz und Beiträge über die eigene Befindlichkeit.

Das Muster, das Zeit frisst

Sichtbarkeit fühlt sich nach Arbeit an — und ist deshalb ein bequemer Ersatz für Akquise.

Der Mechanismus: Ein Beitrag zu schreiben ist angenehmer als eine Empfehlung zu erbitten oder ein Angebot nachzufassen. Beides ist Arbeit, aber nur eine davon kann mit einem Nein enden. Deshalb wächst der Social-Media-Aufwand oft genau dann, wenn das Auftragsbuch dünn wird — also im schlechtesten Moment.

Die Gegenmaßnahme ist banal: Feste Zeit, gedeckelt. Zwei bis drei Stunden pro Woche, im Kalender. Was darüber hinausgeht, geht auf Kosten der Kanäle, die schneller wirken.

Der Rahmen, den du kennen musst

Impressumspflicht gilt auch für geschäftlich genutzte Profile. Ein Link zum Impressum auf deiner Website reicht in der Regel.

Werbekennzeichnung, sobald du eine Gegenleistung erhältst — Geld, Produkte, Rabatte.

Bildrechte: Keine fremden Fotos ohne Lizenz, keine Personenaufnahmen ohne Einwilligung. Auch nicht in Kundenprojekten.

Kundenreferenzen nur mit ausdrücklicher Zustimmung, am besten schriftlich.

Die Zahl, die du erheben solltest

Frag jeden neuen Kunden nach der Quelle und trag sie ein.

Nach sechs Monaten siehst du, wie viele Anfragen tatsächlich aus Social Media kamen — und kannst sie gegen die 22 Stunden im Monat rechnen.

Bei vielen Selbstständigen fällt diese Bilanz ernüchternd aus. Das ist kein Argument, es zu lassen. Es ist ein Argument, es zu deckeln und die frei werdende Zeit dorthin zu stecken, wo die Tabelle die meisten Aufträge zeigt — meistens sind das Empfehlungen und Kooperationen.


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