SEO-Audit selbst machen: ein Vormittag, ein Prompt, eine Reihenfolge
Die meisten SEO-Probleme sind keine Textprobleme, sondern ein Fehler in einer Vorlage — der sich auf jede Seite kopiert hat. So findest du ihn an einem Vormittag.
Die meisten Gründer glauben, sie hätten ein SEO-Problem, weil sie zu wenig tun. Meistens stimmt das Gegenteil. Da steht eine Website mit ordentlichen Texten, sauberen Bildern und einer klaren Botschaft — und trotzdem kommt niemand. Nicht, weil zu wenig da ist. Sondern weil irgendwo in einer Vorlage ein einzelner Fehler sitzt, der sich seit Monaten auf jede neue Seite kopiert.
Ein Beispiel aus einem echten Audit: eine Website mit 47 Artikeln, alle handgeschrieben, alle in der Sitemap eingetragen. Und in jedem einzelnen Seitentitel stand der Markenname zweimal — die Artikel-Vorlage hängte ihn an, das System hängte ihn noch einmal an. In der Google-Suche sah das aus wie ein Fehler, und genau so wirkte es auch. 47 kaputte Titel, eine Ursache, eine Zeile Code.
Ein Fehler in der Vorlage ist kein Fehler auf einer Seite. Er ist ein Fehler auf allen.
Genau dafür ist ein Audit da.
Was ein SEO-Audit ist — und was nicht
Ein Audit beantwortet drei Fragen, in dieser Reihenfolge:
- Findet Google meine Seiten überhaupt?
- Nimmt Google sie auf?
- Sieht das Ergebnis in der Suche so aus, dass jemand darauf klickt?
Zwei Begriffe werden dabei ständig verwechselt, und der Unterschied ist der eigentliche Erkenntnisgewinn. Crawlen heißt: Der Google-Bot ruft deine Seite ab und liest sie. Indexieren heißt: Google speichert sie und darf sie in Ergebnissen zeigen. Das erste ist die Voraussetzung für das zweite — aber es ist keine Zusage. Google crawlt vieles, was es nie indexiert.
Und was ein Audit nicht ist: keine Keyword-Recherche, keine Content-Strategie, kein Linkaufbau. Der Audit räumt das Haus auf. Er baut es nicht.
Warum sich das rechnet — an deinen eigenen Zahlen
Rechne einmal ehrlich mit. Du hast 30 Artikel geschrieben, jeder hat dich rund drei Stunden gekostet — das sind 90 Stunden Arbeit. Die Google Search Console zeigt dir: 22 sind indexiert, 8 nicht. Diese acht Artikel sind 24 Stunden Arbeit, die keinen einzigen Besucher bringen. Nicht wenige Besucher. Keinen.
Das ist der große Hebel: Was nicht im Index ist, kostet dich hundert Prozent seines möglichen Traffics.
Der zweite Hebel ist kleiner, wirkt aber auf jede einzelne Seite. Google zeigt in den Suchergebnissen etwa 55 bis 60 Zeichen deines Seitentitels, danach wird abgeschnitten. Wenn deine Vorlage 15 Zeichen für den Markennamen verbraucht und ihn dann versehentlich zweimal anhängt, hast du 30 Zeichen verschenkt — Platz, auf dem das Wort hätte stehen können, nach dem jemand tatsächlich sucht.
Ein Agentur-Audit kostet dich zwischen 800 und 2.500 €. Das hier kostet dich einen Vormittag. Aber sei ehrlich zu dir: Der Audit ist nicht die Arbeit. Das Reparieren ist die Arbeit.
Was du vorher brauchst
Genau zwei Dinge, beide kostenlos.
Die Google Search Console. Wenn du sie noch nicht eingerichtet hast, mach das jetzt und lies hier später weiter — sie ist das einzige Werkzeug, das dir zeigt, was Google wirklich mit deinen Seiten macht. Unter „Indexierung → Seiten" siehst du schwarz auf weiß, welche Seiten aufgenommen sind und welche nicht, mit Begründung. Diese Daten hat kein KI-Modell und kein Drittanbieter-Tool.
Eine Liste deiner wichtigsten Seiten. Zehn bis zwanzig URLs reichen: Startseite, die zwei, drei Angebotsseiten, deine Blog-Übersicht, zwei Beispielartikel, Kontakt, Impressum. Mehr brauchst du für den Anfang nicht.
Ist eine KI dafür der beste Weg?
Ja — aber nicht allein, und nicht für alles. Die ehrliche Aufteilung sieht so aus:
Für die Prüfung: ja, wenn die KI deine Seiten wirklich abrufen kann. Ein Modell, das den Quelltext deiner Seiten liest, findet fehlende Titel, doppelte Beschreibungen und falsche Canonicals in Minuten — Arbeit, für die du selbst Stunden bräuchtest. Aber Vorsicht: Eine KI ohne Internetzugriff kann deine Website nicht prüfen. Sie kann nur raten. Und sie rät sehr überzeugend.
Für die Daten: nein. Ob eine Seite im Index ist, weiß nur Google. Welche Suchanfragen dich finden, weiß nur Google. Das kommt aus der Search Console, nicht aus einem Chatfenster.
Für die Reparatur: ja beim Text, vorsichtig bei der Technik. Titel und Beschreibungen umschreiben lassen — perfekt. Eine Zeile in der robots.txt ändern, weil ein Modell es empfohlen hat, ohne dass du verstehst warum — das kann dich die halbe Sichtbarkeit kosten.
Kurz: KI plus Search Console. Keins von beidem allein.
Der Prompt
Diesen Text kopierst du in ein KI-Werkzeug, das Webseiten abrufen kann. Trag deine Domain und deine URL-Liste ein.
Du bist ein technischer SEO-Prüfer. Auditiere die Website [DEINE-DOMAIN].
Arbeitsweise:
- Ruf die Seiten selbst ab. Prüfe ausschließlich, was du im HTML tatsächlich siehst.
- Wenn du etwas nicht abrufen kannst, schreib "nicht prüfbar". Rate nicht.
- Keine allgemeinen SEO-Tipps. Nur Befunde mit Fundstelle: URL plus betroffenes Element.
- Wenn ein Punkt in Ordnung ist, schreib das in einer Zeile. Erfinde keine Probleme.
Prüfe in dieser Reihenfolge:
1. AUFFINDBARKEIT
- /robots.txt: Welche Bereiche sind gesperrt? Ist eine Sitemap eingetragen?
- /sitemap.xml: Wie viele URLs stehen drin? Antworten alle mit Statuscode 200?
- Widerspruch: Steht eine URL in der Sitemap, die robots.txt gleichzeitig sperrt?
- Gibt es "noindex" auf Seiten, die indexiert werden sollen?
- Fehlt "noindex" auf Login-, Konto-, Warenkorb- oder Danke-Seiten?
2. PRO SEITE (prüfe diese URLs: [DEINE URL-LISTE])
- <title>: vorhanden, einmalig auf der Website, unter 60 Zeichen,
Markenname nicht doppelt
- <meta name="description">: vorhanden, unter 155 Zeichen, kein Duplikat
- <link rel="canonical">: vorhanden und zeigt auf die Seite selbst
(NICHT auf die Startseite)
- genau eine <h1> pro Seite
- og:title, og:description, og:image für die Vorschau beim Teilen
- <html lang="..."> gesetzt
3. INHALT
- Steht der Haupttext im HTML-Quelltext, oder wird er erst per
JavaScript nachgeladen?
- Klappelemente wie FAQ-Akkordeons: Ist der Antworttext im Quelltext
enthalten, auch wenn das Element zugeklappt ist?
- Bilder ohne alt-Attribut
- Welche der geprüften Seiten sind von keiner anderen Seite aus verlinkt?
4. STRUKTURIERTE DATEN (JSON-LD)
- Welche Typen sind vorhanden (Organization, Article, FAQPage,
BreadcrumbList)?
- Verweisen URLs darin auf existierende Dateien? Prüfe besonders das
Logo im Organization-Block.
AUSGABE
Eine Tabelle mit den Spalten:
Befund | Betroffene Seiten (Anzahl) | Warum das schadet (ein Satz) |
Fundstelle | Geschätzter Aufwand
Sortierung, streng in dieser Reihenfolge:
1. Fehler, die alle Seiten gleichzeitig treffen (Vorlagen-Fehler)
2. Fehler, die Seiten aus dem Index halten
3. Fehler auf einzelnen wichtigen Seiten
4. Kosmetik
Zum Schluss: die drei Punkte, die du zuerst reparieren würdest — mit
Begründung, warum genau diese drei.
Wenn das Ergebnis da ist, schick eine zweite Nachricht hinterher — die ist fast wichtiger als die erste:
Geh deine Liste noch einmal durch. Markiere jeden Befund, den du NICHT
direkt im abgerufenen HTML gesehen hast, sondern aus allgemeinem
SEO-Wissen abgeleitet hast. Nenn mir für die fünf wichtigsten Befunde
die konkrete Stelle im Quelltext, an der ich das selbst nachprüfen kann.
Was du mit dem Ergebnis machst
Hier entscheidet sich, ob der Vormittag etwas gebracht hat. Die meisten Menschen bekommen eine Liste mit 40 Punkten, fühlen sich erschlagen und machen — nichts. Deshalb gilt eine Reihenfolge, und zwar diese:
Erstens: nachprüfen, bevor du reparierst. Öffne die betroffene Seite im Browser und drück Strg+U (auf dem Mac: Cmd+Alt+U). Was du da siehst, ist genau das, was Google sieht. Such den Befund im Quelltext. Findest du ihn nicht, war er erfunden — das passiert öfter, als dir lieb ist.
Zweitens: Vorlagen vor Einzelseiten. Ein falscher Titel auf deiner Kontaktseite ist ein Fehler. Derselbe Fehler in der Artikel-Vorlage ist siebenundvierzig Fehler — und trotzdem nur eine Korrektur. Sortier danach, wie viele Seiten ein einzelner Handgriff repariert.
Drittens: erst die Blocker, dann die Feinheiten. Alles, was Seiten aus dem Index hält, kostet dich hundert Prozent. Ein zu langer Titel kostet dich vielleicht ein Fünftel der Klicks. Beides ist ein Problem, aber nicht am selben Tag.
Viertens: alles, was du nicht verstehst, bleibt liegen. Nicht aus Faulheit, sondern weil ein falsch gesetztes „noindex" mehr kaputt macht als zwanzig fehlende alt-Texte.
Setz dir für den ersten Durchgang ein Limit: die drei Punkte von ganz oben, mehr nicht. Der Rest kommt beim nächsten Mal.
Der Fehler, der sich selbst versteckt
Einen Mechanismus solltest du verstehen, bevor du irgendetwas an der robots.txt änderst — weil sich hier Gründer regelmäßig selbst ein Bein stellen.
Disallow in der robots.txt heißt: „Google, ruf diese Seite gar nicht erst ab." noindex steht im HTML der Seite und heißt: „Nimm mich nicht in den Index auf."
Und jetzt der Haken: Wenn du eine Seite per robots.txt sperrst und ein noindex hineinschreibst, liest Google das noindex nie — es darf die Seite ja nicht abrufen. Verlinkt jemand von außen darauf, kann sie trotzdem im Index landen, dann aber als leerer Eintrag ohne Beschreibung.
Die Regel dazu ist einfach: Was aus dem Index verschwinden soll, braucht ein noindex — und darf dafür gerade nicht in der robots.txt gesperrt sein. Erst wenn die Seite draußen ist, darfst du zusperren.
Die vier Zeitfresser, die du ignorierst
Ein KI-Audit spuckt zuverlässig auch Ratschläge aus, die seit Jahren tot sind. Diese vier streichst du ungelesen:
- Keyword-Dichte. Es gibt keinen Zielwert. Es gab nie einen.
- Das Meta-Keywords-Tag. Google wertet es seit 2009 nicht mehr aus.
- SEO-Scores. „Deine Website hat 68 von 100 Punkten" — diese Zahl kennt nur das Tool, das sie erfunden hat. Google kennt sie nicht.
- Feste Wortzahlen. „Mindestens 1.500 Wörter pro Artikel" ist keine Regel, sondern eine Beobachtung, die jemand zur Regel erklärt hat.
Und dann: warten
Wenn du repariert hast, geh in die Search Console und reich deine Sitemap neu ein. Das ist das Signal an Google, noch einmal vorbeizuschauen.
Danach passiert erst mal nichts. Rechne mit zwei bis vier Wochen, bis Google deine wichtigsten Seiten neu gecrawlt hat — bei kleinen Websites eher länger. Wer nach drei Tagen enttäuscht ist, hat den Zeitrahmen falsch gesetzt, nicht die Arbeit falsch gemacht.
Wiederhol das Ganze zweimal im Jahr, und immer dann, wenn du am Aufbau der Website etwas veränderst: neues Template, neuer Seitentyp, Domainwechsel. Genau in diesen Momenten entstehen die Vorlagen-Fehler, die dich sonst monatelang begleiten.
Kein Bauchgefühl mehr, sondern eine Liste, eine Reihenfolge und drei Handgriffe.
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